Die Zunahme von Taifunen und Starkregenfällen in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass sich viele Menschen mehr Sorgen um den Klimawandel und Hochwasserschäden machen. Niederschläge sind nach wie vor eine wichtige Stütze für alle Arten von Leben auf der Erde, aber unsere Gefühle und Vorstellungen in Bezug auf Regen – in Bezug auf unser Leben und unseren Lebensunterhalt – ändern sich allmählich.
Das Wetter – nicht nur in Form von Regen, sondern auch als Sonnenschein, Temperatur oder Wind – hat einen grossen Einfluss auf unsere Gefühle und unsere Gemütsverfassung. In der Fotografie gelten oft helle und sonnige Tage als ideale Bedingungen für Aussenaufnahmen, während graue Regentage eher als ungünstig angesehen werden. Letztere bieten jedoch Phänomene, die es nur bei Regenwetter gibt – von nassem Asphalt bis hin zu Wassertropfen und Reflexionen in Pfützen –, die Ihnen Inspiration für das Fotografieren geben können. Und während der Anblick von dunklem, grauem Nieselregen und tief hängenden Wolken Ihre Stimmung trüben mag, könnte Ihnen das beruhigende Geräusch fallender Regentropfen helfen, die Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Der Vorgang des Fotografierens wird oft mit Verben wie „aufnehmen“, „schiessen“ und „einfangen“ in Verbindung gebracht, aber auch mit „porträtieren“. Wenn ein Foto entsteht, wird nicht nur die Aussenwelt im Bild festgehalten oder eingefangen, sondern der Fotograf porträtiert mit seiner Arbeit auch sich selbst, seine Innenwelt, seine Gefühle und seine Psyche. Wenn wir versuchen, Fotos unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten, können wir durch das Betrachten der fotografierten Aussenwelt auch einen Blick auf das Innenleben der Person werfen, die die Bilder geschaffen hat.
In seiner fast fünfzigjährigen Karriere als Fotograf hat Yoshiichi Hara (geb. 1948) Werke geschaffen, die nicht nur die äussere Welt der Realität einfangen, sondern auch seine innere Welt zum Ausdruck bringen, die mit ihr in Resonanz steht. Die Namen und Titel, die er für seine Fotobücher und Ausstellungen wählt, verstärken die Tiefe hinter seinen fotografierten Welten noch zusätzlich.
Sein Fotobuch „Walk While Ye Still Have The Light” (Sokyusha, 2011) beginnt beispielsweise mit dem folgenden Bibelvers, der auch den Titel des Buches inspiriert hat:
„Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfällt” (Johannes 12:35).
Mit dieser Zeile deutet Hara an, dass Fotografie für ihn auch eine Suche nach Erleuchtung ist, eine Handlung, die einem Gebet ähnelt. Das Buch enthält zahlreiche Fotografien von Szenen, die in der Dämmerung, in der Nähe von Küsten oder Flussufern aufgenommen wurden, sowie von Licht, das bei Regenwetter eingefangen wurde und sich in nassen Oberflächen spiegelt. Das Zusammenspiel von Licht und Wasser spiegelt Haras introspektive Haltung deutlich wider.
Ein Karussell auf einem Spielplatz nach dem Regen; Lichter, die durch die Fenster von Gebäuden verschwimmen; ein Handschuh auf dem Geländer einer Fussgängerbrücke: In Szenen wie diesen, die in den kurzen Momenten aufgenommen wurden, in denen Hara noch Licht hatte, bevor die Dunkelheit über die Erde hereinbrach, lebt das Licht in unzähligen Wassertropfen weiter. Die Aussenwelt, die Hara eingefangen hat, zeigt, dass es auch ohne das helle Licht der Sonne noch einen schwachen Schein gibt und dass dieses Licht zusammen mit Wasser, dank Wasser, in ständigem Wandel begriffen ist. Und in denen, die seine Fotos betrachten, könnte es sogar eine stille Hoffnung wecken.