Mein lieber „Kazu-kun”
Winter/2015-2016
Diese Kolumne ist vielleicht etwas zu persönlich, und ich entschuldige mich dafür im Voraus. Aber etwas, das mir unheimlich viel Spass macht, ist, alleine an der Theke einer Izakaya (einer japanischen Kneipe) zu trinken. Obwohl ich mir vorgenommen habe, jede freie Minute bestmöglich zu nutzen, finde ich kaum etwas Schöneres, als Zeit mit leckerem japanischem Sake und Essen zu verbringen. Besonders in den letzten Jahren, in denen ich immer mehr zu tun habe, sind die Momente an der Theke für mich das, was ich als „glückselige Momente” bezeichnen würde.
In Wakamatsu, in der Nähe unserer Fabrik in Aizu, gibt es eine Izakaya namens Hairansho, die der ideale Ort für diese glückseligen Momente ist: exquisite Fleischgerichte, frischer Fisch aus der Region, dazu lokaler Aizu-Sake. Fragen Sie jemanden in Aizu, und er wird diese Izakaya mit Sicherheit kennen.
Der Mann, der die Bar betreibt, heisst „Kazu-kun”. Er übernahm die Bar unter schwierigen Umständen, nachdem der vorherige Besitzer plötzlich verstorben war. Es ist ihm gelungen, den präzisen Geschmack, der diese traditionsreiche Izakaya auszeichnet, zu bewahren und sogar noch zu verbessern. Sein umfangreiches Wissen über japanischen Sake, sein ausgeprägter Sinn für Essen und vor allem seine fröhliche Art haben ihm unter seinen Stammgästen den liebevollen Spitznamen „Kazu-kun“ eingebracht.
Ich zögere, das zu sagen, aber ich betrachte mich selbst auch als „Kazu-kun der zweiten Generation“. Wir beide haben die Fackel von unseren Vorgängern übernommen und ermutigen uns gegenseitig, bescheiden zu sein und unser Bestes für unsere Kunden zu geben. Er ist jünger als ich, aber angesichts seines Engagements, die Bedürfnisse seiner Kunden zu erkennen und zu befriedigen, betrachte ich ihn als meinen Vorgesetzten. Er motiviert mich, mich als Manager noch mehr anzustrengen.
Ich habe nur eine Bitte an Kazu-kun. Ich möchte mein Leben lang weiterhin leckeres Essen und Sake geniessen können, also bitte ich ihn, mir ab und zu etwas Mässigung zu gönnen (mit etwas Selbstdisziplin meinerseits).