IMPRESSION
GÜTIGE DÄMONEN IN DER NACHT – EINE LEBENDIGE TRADITION
ART
35mm F1.2 DG II
von Yuichiro Fujishiro
Es ist der 31. Dezember, die letzte Nacht des Jahres. Es schneit, und in der Ferne höre ich Donner.
Ich folge einer Gruppe von Namahage, die von Haus zu Haus ziehen, an Türen hämmern und wie urzeitliche Bestien knurren.
In meinen Händen halte ich das neue Sigma 35mm F1.2 DG II | Art-Objektiv, das an meiner Sigma fp L-Kamera montiert ist.
Ich befinde mich im Norden Japans, auf der Oga-Halbinsel in der Präfektur Akita, wo die Tradition der Namahage noch immer lebendig ist. Jedes Jahr am 31. Dezember besuchen junge Männer in Masken und Kostümen Häuser in Dutzenden von Dörfern, um ungezogene Kinder zu schelten und Unglück abzuwehren.
Sie schlüpfen in die Rolle von Geistern, um reiche Ernten, reichhaltige Fänge und Glück zu bringen. In Akita sind die Namahage schon seit Hunderten von Jahren aktiv.
Dank eines Bekannten von mir konnte ich endlich eine Gruppe von ihnen in der Gegend von Shinzan begleiten.
Nach Sonnenuntergang versammeln sich die jungen Männer im Gemeindezentrum der Stadt und unterhalten sich eine Weile in einem kleinen Raum, der normalerweise von Senioren zum Mahjongspielen genutzt wird.
Wenn es dann so weit ist, ziehen sie die „Kede“ an – Kostüme aus Stroh – sowie die Namahage-Masken, die mit heiligem Sake besprengt wurden, bevor sie sich auf den Weg zum Shinzan-Schrein machen.
Dort beginnen sie ihren Rundgang.
Ich hatte das ursprüngliche Sigma 35mm F1.2 DG DN | Art-Objektiv bereits seit vielen Jahren verwendet.
Für mich ist 35mm die beste Brennweite für Dokumentaraufnahmen.
Mit 35mm kann ich eine Szene in ihrer Gesamtheit einfangen, aber auch nah an meine Motive herankommen und mich ganz auf sie konzentrieren.
Mit dem Sigma-Objektiv ermöglichen mir das wunderschöne Bokeh und die geringe Schärfentiefe bei einer Blende von F1.2, den Motiven eine lebendige Präsenz zu verleihen, ohne zu nah herangehen zu müssen, und so Videos und Fotos zu erstellen, die eine starke Impression hinterlassen.
Im Vergleich zu seinem Vorgängermodell ist das neue Sigma 35mm F1.2 DG II | Art noch kompakter und leichter, was es ideal für ein Projekt wie dieses machte, bei dem ich mich schnell bewegen und handeln muss.
Die hohe Lichtstärke von F1.2 ermöglichte es mir zudem, nachts Fotos ohne Blitz oder sonstige Zusatzausrüstung aufzunehmen.
In der Dunkelheit lieferten die Taschenlampen, die die Namahage trugen, um den Weg vor sich zu beleuchten, das gesamte Licht, das ich benötigte.
Bei meinen Dokumentaraufnahmen versuche ich stets, Situationen so natürlich wie möglich einzufangen, ohne einzugreifen oder meine Anwesenheit spürbar zu machen.
Dieses Objektiv mit seiner lichtstarken Blende von F1.2 kann selbst schwaches Licht genau so wiedergeben, wie es unsere Augen wahrnehmen.
Es war die perfekte Wahl, um dynamische, sich bewegende Motive bei Dunkelheit zu fotografieren, ohne die Situation zu beeinflussen.
Jedes Jahr nimmt die Zahl der jungen Menschen, die sich in den Dörfern als Namahage verkleiden, ab.
Ebenso heissen immer weniger Haushalte ihren Besuch willkommen, und die meisten von denen, die dies tun, begrüssen sie nur an der Haustür, anstatt sie ins Haus zu lassen.
Nachdem ich die verbliebenen Namahage in Shinzan in diesem Jahr bei starkem Schneefall begleitet hatte, konnte ich ihren Kampf miterleben, mit so wenigen Leuten alle Häuser in der Gegend abzuklappern.
Im letzten Haus, das wir besuchten, wurden wir von einem älteren Ehepaar begrüsst. Der Ehemann war bei schlechter Gesundheit, und die beiden hatten darauf gewartet, dass die Namahage zu Besuch kamen und ihr Haus segneten.
Zu diesem Zeitpunkt war den Namahage bereits in jedem Haus, das sie an diesem Abend besucht hatten, Sake serviert worden, und sie hatten Mühe, deutlich zu sprechen, doch ich werde die Freude des Paares nicht vergessen, als sie die Namahage endlich auf ihr Haus zukommen sahen.
ÜBER
YUICHIRO FUJISHIRO
Filmemacher / Kameramann
Yuichiro lebt in Tokio und dreht hauptsächlich Werbespots und Musikvideos, führt aber auch Regie bei Dokumentarfilmen über verschiedene Regionen Japans, die die Schönheit der lokalen Lebensweisen und Traditionen widerspiegeln. In seinen Arbeiten möchte Yuichiro die Innenwelten der Menschen und die universelle Schönheit des Alltags einfangen.
*Diese Impression entstand Ende 2024.
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